Was die analytische Psychotherapie besonders macht
Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologische Psychotherapie haben dieselbe Wurzel in der Psychoanalyse. Der Unterschied liegt darin, wie weit sie gehen. Die analytische Therapie bearbeitet nicht nur die Beschwerden, sondern den ganzen inneren Konflikt und die Persönlichkeit, aus der er entsteht.
Dafür nutzt sie etwas, das die tiefenpsychologische Therapie bewusst begrenzt. In der analytischen Therapie dürfen Sie zeitweise in frühere, kindlichere Gefühle zurückfallen, begleitet und kontrolliert durch die Therapeutin. Das soll nicht nur einen einzelnen Konflikt lösen, sondern die Struktur Ihrer Persönlichkeit verändern.
Wie eine Stunde analytische Psychotherapie abläuft
In der klassischen Form liegen Sie auf einer Couch, und Ihre Therapeutin sitzt außerhalb Ihres Blickfelds. So können Sie sich ganz auf Ihre Gedanken und Gefühle konzentrieren, ohne von ihrem Gesicht abgelenkt zu werden. Pflicht ist die Couch nicht. Ob Sie liegen oder sitzen, vereinbaren Sie gemeinsam.
Die wichtigste Arbeitsweise ist die freie Assoziation. Sie sprechen aus, was Ihnen in den Sinn kommt, ohne es vorher zu ordnen, auch wenn es Ihnen unwichtig oder peinlich vorkommt. Oft spielen Träume eine Rolle, weil sich darin Konflikte zeigen, die im Alltag verborgen bleiben. Die Therapeutin hört zu und fasst mit der Zeit wiederkehrende Muster in Worte. Diese Vorschläge heißen Deutungen.
Vertrauen aufbauen
In den ersten Monaten entsteht eine tragfähige Beziehung, in der Sie immer offener sprechen können.
Muster sichtbar machen
Beim freien Erzählen zeigen sich wiederkehrende Konflikte, oft auch in der Beziehung zur Therapeutin.
Frühe Gefühle zulassen
Zeitweise treten frühere, kindlichere Gefühle stärker hervor, begleitet durch die Therapeutin.
Die Struktur verändern
Sie arbeiten an dem, was hinter den Beschwerden liegt, nicht nur an einzelnen Symptomen.
Den Abschied vorbereiten
Gegen Ende werden die Abstände oft bewusst größer, damit Sie das Erreichte allein tragen.
Warum die Kasse bis zu 300 Stunden bezahlt
Von allen vier Verfahren hat die analytische Therapie die meisten Stunden, weil sie am weitesten geht. Eine Kurzzeittherapie mit zweimal 12 Stunden ist möglich, aber selten der Anfang. Eine Langzeittherapie bewilligt die Kasse Erwachsenen auf einmal mit bis zu 160 Stunden, höchstens werden es 300. In der Gruppe sind es höchstens 150 Doppelstunden zu je 100 Minuten.
| Abschnitt | Stunden | Was dazu gilt |
|---|---|---|
| Kurzzeittherapie | zweimal bis 12, zusammen 24 Stunden | möglich, aber selten der Anfang |
| Langzeittherapie, auf einmal bewilligt | bis 160 Stunden | einzeln, mit Gutachten |
| Langzeittherapie höchstens | 300 Stunden | die meisten Stunden aller vier Verfahren |
| Gruppe höchstens | 150 Doppelstunden | eine Doppelstunde dauert 100 Minuten |
Bei Kindern liegt die Grenze für die analytische und die tiefenpsychologische Therapie bei 150 Stunden, bei Jugendlichen bei 180 Stunden. Mehr dazu steht im Ratgeber Wie eine tiefenpsychologische Psychotherapie arbeitet.
Wie lange eine analytische Psychotherapie in der Praxis dauert
Wie viele Stunden pro Woche stattfinden, schreiben die Regeln nicht fest vor, sie legen nur die Gesamtzahl fest. In der Praxis finden analytische Behandlungen meist zwei- bis dreimal pro Woche statt. Das ist deutlich öfter als bei der tiefenpsychologischen Therapie.
- Bei zwei Stunden pro Woche kommen rund 100 Stunden im Jahr zusammen. Die 300 Stunden reichen dann rechnerisch etwa drei Jahre.
- Bei drei Stunden pro Woche reichen sie rechnerisch etwa zwei Jahre.
- Das ist nur eine grobe Rechnung. Urlaub, Pausen und der Verlauf verschieben die Dauer in beide Richtungen.
- Die nötigen Stunden stehen nicht am Anfang fest. Die Praxis beantragt sie Schritt für Schritt, und ein Gutachter prüft jeden Antrag.
Dass eine analytische Therapie mehrere Jahre dauert, ist also keine Ausnahme, sondern gehört zum Verfahren. Für Sie heißt das: Mit diesem Verfahren entscheiden Sie sich für eine lange, regelmäßige Verpflichtung. Wer das von Anfang an weiß, zweifelt seltener mitten in der Behandlung, ob der lange Weg der richtige ist.
Wer analytische Psychotherapie über die Kasse anbieten darf
Analytische Psychotherapie über die Krankenkasse darf nur anbieten, wer dafür eigens ausgebildet ist und eine Kassenzulassung hat. Diese Ausbildung dauert oft mehrere Jahre. Dazu gehört auch eine eigene Analyse, in der die angehende Therapeutin selbst in Behandlung geht, und Behandlungen unter Aufsicht erfahrener Fachleute.
Diese Ausbildung ist bewusst aufwendiger als bei den anderen Verfahren. Wer mit so tiefen Gefühlen anderer Menschen arbeitet, muss die eigenen unbewussten Reaktionen genau kennen. Das schützt Sie davor, dass jemand eine so tiefgehende Methode ohne genug Erfahrung anwendet.
- In der Sprechstunde und den Probestunden prüfen Sie mit der Therapeutin, ob eine analytische Therapie zu Ihrem Anliegen passt.
- Die Therapeutin stellt den Antrag, meist direkt auf eine Langzeittherapie mit bis zu 160 Stunden.
- Ein Gutachter prüft den Antrag, bevor die Kasse zusagt.
- Reichen die Stunden nicht, beantragt die Praxis eine Verlängerung bis höchstens 300 Stunden, die wieder geprüft wird.
Wann eine tiefenpsychologische Therapie der bessere Anfang ist
Nicht jede lange Belastung braucht sofort die längste Behandlung. Reicht ein begrenzter Zugang, ist eine tiefenpsychologische Therapie oft der bessere erste Schritt, mit weniger Stunden pro Woche und weniger Stunden insgesamt. Zeigt sich später, dass mehr Tiefe nötig ist, kann danach ein neuer Antrag auf analytische Therapie folgen.
Auch der Aufwand im Alltag zählt. Zwei bis drei Termine pro Woche über mehrere Jahre bedeuten viele Wege zur Praxis und feste Termine, und das passt nicht in jedes Leben. Sprechen Sie das offen an. Eine gute Therapeutin bezieht solche Fragen in die Wahl des Verfahrens ein. Einen Überblick gibt der Ratgeber zu den vier Psychotherapieverfahren der Krankenkasse.
Häufige Fragen
Warum dauert eine analytische Psychotherapie mehrere Jahre?
Eine analytische Psychotherapie dauert mehrere Jahre, weil sie nicht nur Beschwerden behandelt, sondern die tiefen Muster der Persönlichkeit dahinter. Dafür braucht es Zeit. Die Kasse zahlt bis zu 300 Stunden, meist bei zwei bis drei Terminen pro Woche.
Muss man bei einer analytischen Psychotherapie auf der Couch liegen?
Nein, auf der Couch zu liegen ist bei einer analytischen Psychotherapie keine Pflicht. In der klassischen Form liegen Sie, und die Therapeutin sitzt außerhalb Ihres Blickfelds. Ob Sie liegen oder sitzen, vereinbaren Sie gemeinsam.
Wie viele Stunden analytische Psychotherapie zahlt die Krankenkasse höchstens?
Die Krankenkasse zahlt Erwachsenen höchstens 300 Stunden analytische Psychotherapie einzeln. Auf einmal bewilligt sie bis zu 160 Stunden. In der Gruppe liegt die Grenze bei 150 Doppelstunden.
Was bedeutet freie Assoziation in der analytischen Psychotherapie?
Freie Assoziation heißt, dass Sie in der analytischen Psychotherapie aussprechen, was Ihnen in den Sinn kommt, ohne es vorher zu ordnen. Über diese ungefilterten Gedanken werden unbewusste Muster sichtbar, die die Therapeutin mit der Zeit in Worte fasst.
Ist eine analytische Psychotherapie dasselbe wie eine Psychoanalyse?
Im Alltag meinen beide Wörter meist dasselbe. Als Leistung der Krankenkasse heißt das Verfahren analytische Psychotherapie und hat feste Stundenzahlen. Das Wort Psychoanalyse steht auch für Behandlungen außerhalb dieses Rahmens.
Kann eine analytische Psychotherapie früher enden als geplant?
Ja, eine analytische Psychotherapie kann früher enden, wenn Sie Ihr Ziel schneller erreichen. Die bewilligten Stunden werden dann einfach nicht alle genutzt. Ein Wechsel in ein anderes Verfahren in derselben Behandlung ist dagegen nicht vorgesehen.
