Wer Sie in einer Ausbildungsambulanz behandelt
Eine Ausbildungsambulanz gehört zu einem staatlich anerkannten Institut, an dem Psychologinnen und Psychologen zu Psychotherapeuten ausgebildet werden. Dort behandeln die angehenden Psychotherapeuten Kassenpatienten, während sie ihre praktische Ausbildung machen. Der Zulassungsausschuss erlaubt der Ambulanz das, wenn erfahrene, zugelassene Fachleute die Verantwortung tragen.
Wer Sie dort behandelt, hat ein abgeschlossenes Studium in Psychologie oder einem ähnlichen Fach, aber noch keine Approbation. Approbation heißt staatliche Zulassung als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut. In der praktischen Ausbildung sind mindestens 600 Behandlungsstunden vorgeschrieben, dazu mindestens 150 Stunden Besprechung mit erfahrenen Fachleuten. Diese Begleitung heißt Supervision. Im Schnitt kommt also auf vier Behandlungsstunden eine Stunde Supervision, auch wenn Sie die Supervisorin nie im Raum sehen.
Diese Form der Ausbildung läuft aus. Wer sie vor dem 1. September 2020 begonnen hat, darf sie noch bis zum 1. September 2032 abschließen, in Härtefällen mit Erlaubnis der Behörde bis zum 31. August 2035. So lange gibt es auch die Ausbildungsambulanzen nach altem Recht.
Was eine Hochschulambulanz anders macht
Eine Hochschulambulanz gehört zu einer Uniklinik oder einem Institut einer Universität. Dort arbeiten auch Studierende und angehende Psychotherapeuten praktisch mit. Die Ambulanz darf aus zwei Gründen behandeln: für Forschung und Lehre und für Menschen, deren Erkrankung so schwer oder verwickelt ist, dass sie die Uniklinik brauchen.
Im Rahmen von Forschung und Lehre melden Sie sich direkt an, ohne Überweisung. Für besonders schwere oder verwickelte Erkrankungen verlangt das Gesetz meist eine Überweisung einer Fachärztin. Dieselbe Erlaubnis haben Ambulanzen an den Universitätsinstituten, an denen seit 2020 der neue Studiengang Psychotherapie läuft.
Ein Beispiel ist die Psychotherapeutische Hochschulambulanz der Uniklinik RWTH Aachen. Sie behandelt Erwachsene und hat eine eigene Ambulanz für Kinder und Jugendliche. Ob in einer Hochschulambulanz vor allem approbierte Fachleute oder auch Studierende unter Begleitung behandeln, ist von Ort zu Ort verschieden. Fragen Sie bei der Anmeldung danach, wenn es Ihnen wichtig ist.
| Frage | Ausbildungsambulanz | Hochschulambulanz | Praxis mit Kassenzulassung |
|---|---|---|---|
| Wer behandelt? | angehende Psychotherapeuten unter Begleitung | je nach Ort approbierte Fachleute oder Studierende unter Begleitung | approbierte Psychotherapeuten |
| Überweisung nötig? | nein | nein bei Forschung und Lehre, bei schweren Fällen meist ja | nein |
| Was kostet es Sie? | nichts, die Kasse zahlt | nichts, die Kasse zahlt | nichts, die Kasse zahlt |
| Besonderheit | Erlaubnis nur, wenn Patienten den Platz brauchen | nur in Universitätsstädten | überall, aber oft lange Wartezeit |
In fünf Schritten zum Platz in einer Ausbildungsambulanz
Der Weg in eine Ausbildungs- oder Hochschulambulanz läuft nicht über die Terminservicestelle. Sie melden sich direkt.
- Suchen Sie über die Suche Ihrer Psychotherapeutenkammer oder im Internet nach Ausbildungsinstituten und Unikliniken mit Ambulanz in Ihrer Gegend.
- Rufen Sie dort an oder schreiben Sie über das Kontaktformular der Ambulanz.
- Nennen Sie Ihre Krankenkasse und fragen Sie nach dem nächsten freien Termin für eine Sprechstunde oder Probestunden.
- Fragen Sie, welche Therapieform die Ambulanz anbietet und ob Sie eine Überweisung brauchen.
- Bringen Sie Ihre Versichertenkarte zum ersten Termin mit. Die Ambulanz rechnet wie jede Praxis direkt mit Ihrer Krankenkasse ab.
Ausbildungs- und Hochschulambulanzen suchen Patientinnen und Patienten für die Ausbildung und die Lehre. Deshalb vergeben sie Termine oft schneller als eine volle Praxis. Eine Statistik, die beide Wege vergleicht, gibt es aber nicht. Die kürzere Wartezeit ist eine häufige Erfahrung, keine Zusage.
Wie Sie auch über Praxen mit Kassenzulassung und die Terminservicestelle einen Platz finden, steht im Ratgeber Psychotherapieplatz finden.
Wann eine psychiatrische Institutsambulanz besser passt
Eine Ausbildungs- oder Hochschulambulanz ist richtig, wenn Sie eine normale Psychotherapie in einem der vier Verfahren suchen, die die Kasse bezahlt. Eine psychiatrische Institutsambulanz ist für Menschen da, die wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung oder wegen eines weiten Wegs auf ein psychiatrisches Krankenhaus angewiesen sind.
Beide werden oft verwechselt, weil beide zu einer Klinik oder einem Institut gehören. Der Unterschied liegt im Zugang. Die Ausbildungsambulanz arbeitet wie eine Praxis, die psychiatrische Institutsambulanz ist für schwerere Erkrankungen da.
Suchen Sie eine normale Psychotherapie ohne akute Krise?
Gibt es in Ihrer Nähe ein Ausbildungsinstitut oder eine Uniklinik mit Ambulanz?
Melden Sie sich dort direkt für eine Sprechstunde an.
Suchen Sie über die Terminservicestelle 116117 oder die Suche Ihrer Psychotherapeutenkammer.
Dann passt eher eine psychiatrische Institutsambulanz, weil sie für schwerere Erkrankungen da ist.
Weiterbildungsambulanz und Ausbildungsambulanz im Vergleich
Seit der Reform der Ausbildung 2020 gibt es eine zweite Form, die Weiterbildungsambulanz. Dort behandeln Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die schon approbiert sind. Sie machen eine bezahlte Weiterbildung in einem Verfahren der Kasse, meist mit einer festen Stelle in einer Klinik, Praxis oder Ambulanz.
Für Sie als Patientin oder Patient ist der Unterschied im Alltag klein. In beiden Fällen zahlen Sie nichts, und in beiden Fällen begleitet eine erfahrene Fachkraft die Behandlung. Der Unterschied liegt in der Ausbildung der Therapeutin: In der Weiterbildung ist sie schon approbiert, in der Ausbildung noch nicht. Die Weiterbildungsambulanz ist der Weg nach neuem Recht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Ausbildungsambulanz und einer Hochschulambulanz?
Eine Ausbildungsambulanz gehört zu einem Ausbildungsinstitut, dort behandeln angehende Psychotherapeuten unter Begleitung. Eine Hochschulambulanz gehört zu einer Universität und dient auch Forschung und Lehre. Beide rechnen wie eine Praxis mit Ihrer Krankenkasse ab.
Kostet eine Behandlung in einer Ausbildungsambulanz etwas?
Nein, eine Behandlung in einer Ausbildungs- oder Hochschulambulanz kostet gesetzlich Versicherte nichts. Beide rechnen direkt mit Ihrer Krankenkasse ab, wie eine Praxis mit Kassenzulassung.
Brauche ich eine Überweisung für eine Ausbildungsambulanz?
Nein, für eine Ausbildungsambulanz brauchen Sie keine Überweisung. Bei einer Hochschulambulanz gilt das für Forschung und Lehre ebenso. Nur für besonders schwere oder verwickelte Erkrankungen verlangt das Gesetz meist eine Überweisung einer Fachärztin.
Wie finde ich eine Ausbildungsambulanz für Psychotherapie in meiner Nähe?
Eine Ausbildungsambulanz finden Sie über die Suche Ihrer Psychotherapeutenkammer, über die Website eines Ausbildungsinstituts in Ihrer Gegend oder mit einer Internetsuche nach Ausbildungsambulanz und Ihrem Wohnort. Die Terminservicestelle vermittelt diesen Weg nicht.
Werde ich in einer Ausbildungsambulanz schlechter behandelt?
Nein, in einer Ausbildungsambulanz werden Sie nicht schlechter behandelt. Die Ausbildung schreibt eine enge Begleitung vor, im Schnitt eine Stunde Supervision je vier Behandlungsstunden. Erfahrene Fachleute tragen die Verantwortung.
Was passiert, wenn meine Therapeutin in der Ausbildungsambulanz ihre Ausbildung abschließt?
Schließt Ihre Therapeutin die Ausbildung ab, endet meist auch die Behandlung bei ihr in dieser Form. Die Ausbildungsambulanz plant den Wechsel zu einer Nachfolgerin in der Regel mit. Sprechen Sie das früh an, wenn Ihre Therapie länger dauern soll.
