Jede Psychotherapie beginnt mit der Sprechstunde
Die psychotherapeutische Sprechstunde ist das erste Gespräch in einer Praxis mit Kassenzulassung, und sie ist Pflicht. Ohne sie gibt es keine Probestunden, keine Akutbehandlung und keine Therapie. In der Sprechstunde klärt die Therapeutin, ob Sie eine behandlungsbedürftige Erkrankung haben und welche Hilfe passt.
Eine Überweisung brauchen Sie dafür nicht. Sie rufen direkt in einer Praxis an oder wenden sich an die Terminservicestelle.
Für Erwachsene umfasst die Sprechstunde bis zu sechs Termine von mindestens 25 Minuten, zusammen bis zu 150 Minuten. Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit einer geistigen Behinderung haben bis zu zehn Termine, zusammen bis zu 250 Minuten. Bei ihnen dürfen bis zu 100 Minuten davon auch mit Eltern oder anderen Bezugspersonen allein stattfinden.
| Für wen | Termine | Zusammen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | bis zu 6, je mindestens 25 Minuten | bis zu 150 Minuten | vor jeder weiteren Behandlung mindestens 50 Minuten Sprechstunde |
| Kinder und Jugendliche | bis zu 10, je mindestens 25 Minuten | bis zu 250 Minuten | bis zu 100 Minuten auch mit Bezugspersonen ohne das Kind |
| Menschen mit geistiger Behinderung | bis zu 10, je mindestens 25 Minuten | bis zu 250 Minuten | Bezugspersonen können einbezogen werden |
Am Ende der Sprechstunde bekommen Sie zwei Blätter. Das Blatt PTV 10 erklärt die Psychotherapie allgemein. Das Formular PTV 11 enthält Ihr Ergebnis: die Diagnose oder den Verdacht in verständlichen Worten, die Empfehlung für das weitere Vorgehen und ob Sie bald eine Behandlung brauchen. Heben Sie beide gut auf, denn mit dem PTV 11 hilft Ihnen die Terminservicestelle weiter.
So finden Sie eine Praxis mit freien Terminen
Praxen mit Kassenzulassung müssen zu festen Zeiten telefonisch erreichbar sein. Bei einem vollen Kassensitz sind das 200 Minuten pro Woche, bei einem halben 100 Minuten. Diese Zeiten stehen meist auf der Website der Praxis oder in der Arztsuche.
Für die Sprechstunde hält eine Praxis mit vollem Sitz in der Regel mindestens 100 Minuten pro Woche frei, mit halbem Sitz mindestens 50 Minuten. Wer die Telefonzeiten kennt, ruft zur richtigen Zeit an und nicht auf gut Glück.
Vier Wege, eine Praxis zu suchen
| Suche | Wer sie anbietet | Was Sie dort finden | Was sie nicht zeigt |
|---|---|---|---|
| arztsuche.116117.de | Kassenärztliche Bundesvereinigung | Praxen mit Kassenzulassung mit Fachgebiet, Adresse und Sprechzeiten | keine reinen Privatpraxen |
| Arztsuche Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung | Kassenärztliche Vereinigung Ihres Bundeslandes | dieselben Praxen, oft mit Verfahren und Altersgruppen | nur Ihr Bundesland |
| Suche der Psychotherapeutenkammer | Psychotherapeutenkammer Ihres Bundeslandes | alle Mitglieder, auch Privatpraxen, mit Verfahren | ob eine Praxis mit der Kasse abrechnet |
| Terminservicestelle 116117 | Kassenärztliche Vereinigung | einen vermittelten Termin statt einer Adressliste | keinen Wunschtermin bei einer bestimmten Praxis |
Das legen Sie vor dem ersten Anruf bereit
- Ihre Versichertennummer und den Namen Ihrer Krankenkasse.
- Eine Liste, in die Sie Datum, Praxis und Antwort eintragen. Sie brauchen sie später, falls es auf eine Kostenerstattung hinausläuft.
- Zwei oder drei Zeiten, zu denen Sie regelmäßig können. Wer flexibel ist, bekommt schneller einen Termin.
- Die Frage, ob die Praxis eine offene Sprechstunde hat oder Termine vergibt. Beides ist erlaubt.
- Das Formular PTV 11, wenn Sie schon in einer Sprechstunde waren. Mit dem Code darauf geht es bei der Terminservicestelle schneller.
Was die Terminservicestelle unter 116117 für Sie tun muss
Die Terminservicestelle ist keine Auskunft, sondern sie vermittelt Termine, und dafür gelten Fristen im Gesetz. Sie ist rund um die Uhr an jedem Tag der Woche unter 116117 erreichbar.
Zwei Fristen sind wichtig. Die Stelle muss Ihnen innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, und dieser Termin darf höchstens vier Wochen entfernt liegen. Für eine Akutbehandlung, also schnelle Hilfe in einer schweren Phase, gilt eine kürzere Grenze von zwei Wochen.
- Rufen Sie 116117 an oder buchen Sie online auf 116117.de. Halten Sie Ihre Versichertennummer bereit und, wenn Sie ihn haben, den Code vom PTV 11.
- Sagen Sie, was Sie brauchen: eine Sprechstunde, eine Probestunde oder eine Akutbehandlung. Für jedes gilt eine andere Frist.
- Lassen Sie sich den Termin mit Datum, Praxis und Adresse bestätigen und notieren Sie, wann Sie angerufen haben.
- Sagen Sie früh ab, wenn Sie nicht können. Sonst geht die Stunde einem anderen Menschen verloren.
- Melden Sie sich wieder, wenn innerhalb der Frist kein Termin zustande kommt. Findet die Stelle keine Praxis, muss sie Ihnen einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus anbieten.
Warum die Wartezeit auf eine Psychotherapie so verschieden ist
Wie viele Kassensitze es an einem Ort gibt, richtet sich nicht nach dem Bedarf der Menschen dort, sondern nach einer festen Rechengröße. Der Gemeinsame Bundesausschuss teilt Deutschland in sechs Arten von Regionen ein und legt für jede fest, wie viele Einwohner auf einen Sitz kommen sollen.
Am wenigsten Einwohner je Sitz sind es in großen Kernstädten mit 3.155, am meisten in stark mitversorgten Landkreisen mit 6.354. Dazwischen liegen 5.182 Einwohner in Gebieten mit mehreren Zentren, 5.287 in Gebieten, die versorgt werden und selbst versorgen, 5.722 in Gebieten, die sich selbst versorgen, und 6.044 in mitversorgten Gebieten.
| Art der Region | Einwohner je Sitz |
|---|---|
| große Kernstadt, die das Umland mitversorgt | 3.155 |
| versorgt und wird versorgt | 5.287 |
| stark vom Umland mitversorgt | 6.354 |
| vom Umland mitversorgt | 6.044 |
| versorgt sich selbst | 5.722 |
| Gebiet mit mehreren Zentren | 5.182 |
Das spüren Sie im Alltag. In einer großen Stadt kommt rechnerisch auf gut 3.100 Einwohner ein Sitz, in einem ländlichen Kreis auf über 6.300. Die Planung geht davon aus, dass Menschen vom Land in die Stadt fahren. Wer das nicht kann, wartet länger.
Liegt ein Gebiet mehr als 10 Prozent über seiner Rechengröße, gilt es als überversorgt und wird für neue Kassensitze gesperrt. Auch dann kann ein Ausschuss einen zusätzlichen Sitz vergeben, wenn die Versorgung sonst nicht zumutbar erreichbar ist.
Die verlässlichste Zahl zur echten Wartezeit stammt aus Abrechnungsdaten. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat die Daten von rund 300.000 Versicherten ausgewertet, die Anfang 2019 ein Erstgespräch hatten. Bis zum Beginn der Therapie vergingen im Schnitt 142,4 Tage. 18,6 Prozent begannen noch im selben Vierteljahr, 10,6 Prozent erst rund ein Jahr später. Eine neuere Auswertung dieser Art gibt es nicht.
Was Sie in der Wartezeit tun können
Die Wartezeit auf einen Therapieplatz müssen Sie nicht untätig verbringen. Es gibt mehrere Wege, die schneller offen sind und sich nicht gegenseitig ausschließen.
Akutbehandlung, Wartezeit höchstens 2 Wochen
Bis zu 24 Termine zu 25 Minuten. Die Praxis meldet sie der Kasse nur, ein Antrag ist nicht nötig.
Gruppen-Einstieg
Vier Termine zu je 100 Minuten in einer Gruppe, ohne Antrag. Sie bereiten auf eine Gruppentherapie vor und ersetzen die Probestunden nicht.
Psychiatrische Institutsambulanz
Eine Ambulanz am Krankenhaus für Menschen, die wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung dort behandelt werden müssen.
Hochschulambulanz
Ambulanzen an Universitäten. In Universitätsstädten sind sie oft schneller erreichbar als eine Praxis.
App auf Rezept
Eine geprüfte Gesundheits-App aus dem Verzeichnis der Bundesbehörde, verschrieben von Ihrer Ärztin oder Psychotherapeutin. Eine Zuzahlung gibt es nicht.
Mehr zu den Ambulanzen an Hochschulen und Ausbildungsinstituten steht im Ratgeber Therapieplatz über eine Ausbildungsambulanz. Reicht eine Behandlung in der Praxis nicht aus, kommt auch eine Reha infrage. Wer sie bezahlt, hängt davon ab, ob es um Ihre Arbeitsfähigkeit geht.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Überweisung für eine Psychotherapie?
Nein, für eine Psychotherapie brauchen Sie keine Überweisung. Das gilt für die Sprechstunde und für die Behandlung danach. Sie rufen direkt in einer Praxis an oder lassen sich von der Terminservicestelle unter 116117 einen Termin vermitteln.
Wie schnell muss die Terminservicestelle einen Termin für eine Psychotherapie vermitteln?
Die Terminservicestelle muss innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, und der Termin darf höchstens vier Wochen entfernt liegen. Für eine Akutbehandlung darf die Wartezeit höchstens zwei Wochen betragen. Beides steht im Gesetz.
Wie lange wartet man im Durchschnitt auf einen Psychotherapieplatz?
Auf einen Psychotherapieplatz wartet man im Schnitt 142 Tage, vom Erstgespräch bis zum Beginn der Therapie. Das zeigt eine Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer mit Daten aus dem Jahr 2019. Knapp ein Fünftel begann noch im selben Vierteljahr, rund jeder Zehnte erst nach etwa einem Jahr.
Was ist eine psychotherapeutische Akutbehandlung, und wie bekomme ich sie?
Eine Akutbehandlung ist schnelle Hilfe nach der Sprechstunde, wenn es Ihnen sehr schlecht geht. Sie umfasst bis zu 24 Termine zu 25 Minuten. Die Praxis meldet sie der Kasse nur, ein Antrag ist nicht nötig. Über die Terminservicestelle warten Sie höchstens zwei Wochen.
Warum gibt es auf dem Land weniger Psychotherapeuten als in der Stadt?
Auf dem Land gibt es weniger Psychotherapeuten, weil die Planung der Kassensitze das so vorsieht. In großen Kernstädten ist ein Sitz je 3.155 Einwohner vorgesehen, in stark mitversorgten Landkreisen je 6.354. Die Planung geht davon aus, dass Menschen vom Land in die Stadt fahren.
Was kann ich tun, während ich auf einen Psychotherapieplatz warte?
In der Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz stehen mehrere Wege offen: die Akutbehandlung mit höchstens zwei Wochen Wartezeit, ein Gruppen-Einstieg ohne Antrag, die psychiatrische Institutsambulanz, Hochschulambulanzen und Gesundheits-Apps auf Rezept. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus.
