Welche Nummer in welcher Lage hilft
Vier Nummern decken verschiedene Lagen ab. Die 112 ist der Notruf, wenn ein Leben oder die Gesundheit in Gefahr ist. Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst, wenn etwas nicht bis zum nächsten Praxistermin warten kann, aber kein Notfall ist. Die Telefonseelsorge ist zum Reden da, jederzeit und ohne Termin.
Den Notruf 112 und die Telefonseelsorge erreichen Sie rund um die Uhr und kostenlos. Die Telefonseelsorge hat drei Nummern: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111 von Montag bis Samstag zwischen 14 und 20 Uhr. Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0 550.
| Nummer | Wofür | Wann erreichbar | Kosten |
|---|---|---|---|
| 112 | Gefahr für Leben oder Gesundheit, Rettungsdienst | rund um die Uhr | kostenlos |
| 116117 | ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten und Vermittlung von Terminen | rund um die Uhr, jeden Tag | kostenlos aus deutschen Netzen |
| 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 | Telefonseelsorge, Gespräch bei Belastung, Einsamkeit und Krisen | rund um die Uhr | kostenlos und anonym |
| 116 123 | Telefonseelsorge, dritte Nummer | rund um die Uhr | kostenlos und anonym |
| 116 111 | Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche | Montag bis Samstag, 14 bis 20 Uhr | kostenlos und anonym |
| 0800 111 0 550 | Elterntelefon der Nummer gegen Kummer | Montag, Mittwoch, Freitag 9 bis 17 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 bis 19 Uhr | kostenlos und anonym |
Was die Telefonseelsorge leistet und was nicht
Die Telefonseelsorge ist ein Angebot zum Reden, kein ärztlicher Dienst. Getragen wird sie von der katholischen und der evangelischen Kirche, beraten wird von mehr als 7.700 Ehrenamtlichen. Die Anrufe kosten nichts, und Sie müssen Ihren Namen nicht nennen.
Neben dem Telefon gibt es weitere Wege. Auf telefonseelsorge.de finden Sie eine Beratung per Chat und per E-Mail und die Beratungsstellen vor Ort. Wer nicht sprechen mag oder kann, hat damit einen zweiten Zugang.
- Die Telefonseelsorge stellt keine Diagnose und verschreibt keine Behandlung. Das bleibt Ärzten und Psychotherapeuten vorbehalten.
- Sie ersetzt keine Therapie, kann aber die Zeit bis zu einem Termin überbrücken und beim Ordnen der nächsten Schritte helfen.
- Sie ist auch für Angehörige da. Wer sich um einen anderen Menschen sorgt, darf dort anrufen.
- Kein Thema ist zu klein. Sie dürfen auch ohne akute Krise anrufen.
- Scheint ärztliche Hilfe nötig, verweisen die Mitarbeitenden weiter, etwa an die 116117 oder einen Krisendienst vor Ort.
Wie schnell eine psychotherapeutische Akutbehandlung beginnt
Für schnelle Hilfe gibt es einen eigenen Baustein, die psychotherapeutische Akutbehandlung. Sie folgt auf die Sprechstunde und soll Sie in einer schweren Phase entlasten. Sie arbeitet nicht an den Ursachen, sondern soll Sie stabilisieren.
Ihr Umfang steht fest: bis zu 24 Termine von mindestens 25 Minuten, zusammen bis zu 600 Minuten. Die Stunden werden später auf eine Therapie angerechnet.
Zwei Dinge machen sie schnell. Die Praxis meldet die Akutbehandlung der Kasse nur, ein Antrag und eine Zusage sind nicht nötig. Und vermittelt die Terminservicestelle den Termin, warten Sie höchstens zwei Wochen.
Sprechstunde
Die Akutbehandlung beginnt nach einer Sprechstunde in einer psychotherapeutischen Praxis. Eine Überweisung brauchen Sie nicht.
Empfehlung auf dem PTV 11
Empfiehlt die Praxis eine Akutbehandlung, steht das auf dem Formular PTV 11, zusammen mit einem Code für die Terminservicestelle.
Terminservicestelle anrufen
Mit dem Code vermittelt die Stelle unter 116117 einen Termin. Sie warten höchstens zwei Wochen.
Behandlung beginnt
Die Praxis meldet Diagnose und Beginn an die Kasse. Dann beginnt die Behandlung, ohne dass Sie auf eine Zusage warten müssen.
Welche Anlaufstellen es vor Ort gibt
Neben den bundesweiten Nummern gibt es Dienste vor Ort, und sie sind von Land zu Land sehr verschieden. Bayern hat als erstes Land flächendeckend Krisendienste eingerichtet. Sie sind unter der kostenlosen Nummer 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar. Reicht ein Gespräch nicht, vermitteln sie weiter oder schicken ein mobiles Team.
Eine bundesweit einheitliche Nummer für Krisendienste gibt es nicht. Welche Dienste es in Ihrem Land gibt, erfahren Sie über die 116117 oder beim Gesundheitsamt. Deshalb funktionieren Tipps aus dem Internet in einem Land und im nächsten nicht.
| Stelle | Wofür | Wer sie trägt |
|---|---|---|
| Sozialpsychiatrischer Dienst | Beratung und Begleitung bei seelischen Erkrankungen, auch zu Hause und für Angehörige | Gesundheitsamt des Kreises oder der Stadt |
| Krisendienst | Beratung am Telefon in seelischen Krisen, Vermittlung, teils mobile Teams | das Land oder der Bezirk, in Bayern unter 0800 655 3000 |
| Psychiatrische Institutsambulanz | Behandlung durch ein Krankenhaus ohne Aufnahme, für schwerere oder länger dauernde Erkrankungen | Krankenhaus |
| Hochschulambulanz | Behandlung an Ambulanzen der Universitäten | Uniklinik oder Universität |
| Notaufnahme einer Klinik mit Psychiatrie | Untersuchung und Entscheidung über die weitere Behandlung, auch nachts und am Wochenende | Krankenhaus |
Mehr über die Ambulanz am Krankenhaus steht im Ratgeber zur psychiatrischen Institutsambulanz.
Was in der Klinik passiert
In der Notaufnahme folgen zuerst ein Gespräch und eine Untersuchung. Dabei wird geklärt, was gerade los ist, ob eine körperliche Ursache infrage kommt und welche Behandlung jetzt nötig ist. Danach entscheiden die Ärzte: Behandlung zu Hause, ein neuer Termin, ein Platz in einer Tagesklinik oder die Aufnahme auf eine Station.
Eine Aufnahme geschieht in der Regel freiwillig und mit Ihrer Einwilligung. Diese können Sie jederzeit zurücknehmen. Eine Unterbringung gegen den Willen ist eine seltene Ausnahme mit hohen Hürden. Sie braucht immer eine ärztliche Beurteilung und die Entscheidung eines Gerichts.
Was Sie für einen anderen Menschen tun können
Angehörige schwanken oft zwischen Sorge und Unsicherheit. Viele fürchten, durch Nachfragen etwas auszulösen. Ein offenes, ruhiges Nachfragen entlastet aber meist, weil es das Schweigen beendet.
- Sprechen Sie den Menschen direkt an und sagen Sie, was Ihnen aufgefallen ist. Bleiben Sie bei dem, was Sie gesehen haben.
- Hören Sie zu, ohne gleich Lösungen anzubieten. Fragen Sie, was jetzt helfen würde.
- Bieten Sie praktische Hilfe an: gemeinsam bei der 116117 anrufen, einen Termin machen, mit zur Praxis gehen. Der erste Anruf fällt zu zweit leichter.
- Nennen Sie die kostenlosen Nummern: Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, für Kinder und Jugendliche 116 111.
- Ist ein Leben in Gefahr, wählen Sie die 112 und bleiben Sie bei dem Menschen, bis Hilfe kommt.
- Sorgen Sie auch für sich selbst. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamts berät auch Angehörige, ebenso die Telefonseelsorge.
Sie können eine Behandlung nicht ersetzen und tragen nicht die Verantwortung für den Verlauf einer Erkrankung. Was Sie tun können, ist begrenzt und trotzdem wichtig: da sein, den Weg zur Hilfe kürzer machen und im Notfall die 112 wählen. Alles Weitere gehört in die Hände von Fachleuten.
Häufige Fragen
Welche Nummer wähle ich in einer akuten seelischen Krise?
Ist Leben oder Gesundheit in Gefahr, wählen Sie den Notruf 112. Zum Reden erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Ärztliche Hilfe außerhalb der Sprechzeiten gibt es unter 116117.
Was ist der Unterschied zwischen 112 und 116117?
Die 112 ist der Notruf bei Gefahr für Leben oder Gesundheit und schickt den Rettungsdienst. Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für Beschwerden, die nicht bis zum nächsten Praxistermin warten können, aber kein Notfall sind. Unter derselben Nummer vermittelt die Terminservicestelle Termine.
Ist der Anruf bei der Telefonseelsorge kostenlos und anonym?
Ja, der Anruf bei der Telefonseelsorge ist kostenlos und anonym, rund um die Uhr. Sie erreichen sie unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123 und müssen Ihren Namen nicht nennen. Es gibt auch eine Beratung per Chat und E-Mail.
Wie schnell bekomme ich eine psychotherapeutische Akutbehandlung?
Auf eine psychotherapeutische Akutbehandlung warten Sie höchstens zwei Wochen, wenn die Terminservicestelle den Termin vermittelt. Sie umfasst bis zu 24 Termine von 25 Minuten. Die Praxis meldet sie der Kasse nur, eine Zusage müssen Sie nicht abwarten.
Kann ich gegen meinen Willen in eine psychiatrische Klinik aufgenommen werden?
Nur in seltenen Ausnahmen. Eine Aufnahme in eine psychiatrische Klinik geschieht in der Regel freiwillig, und Sie können Ihre Einwilligung jederzeit zurücknehmen. Eine Unterbringung gegen den Willen braucht immer eine ärztliche Beurteilung und die Entscheidung eines Gerichts.
An wen können sich Angehörige in einer seelischen Krise wenden?
Angehörige können sich an die Telefonseelsorge und an den Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamts wenden. In Bayern gibt es zusätzlich Krisendienste unter 0800 655 3000 rund um die Uhr. Eltern erreichen das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
