Wann eine Klinik statt der Praxis infrage kommt
Ins Krankenhaus kommen Sie, wenn eine Behandlung zu Hause nicht mehr reicht. Das gilt auch für eine Tagesklinik, in die Sie morgens kommen und abends wieder gehen. Das Gesetz verlangt, dass das vorher geprüft wird. Reicht die mildere Form, bleibt es bei ihr.
Die psychosomatische Klinik behandelt, wenn eine Erkrankung gerade aus dem Ruder läuft. Die Reha setzt später an, wenn eine schon behandelte Erkrankung Ihre Arbeit gefährdet. Wer zahlt, wie Sie den Antrag stellen und wie lange Sie bleiben, ist dabei verschieden. Wie die Reha läuft, erklärt der Ratgeber psychosomatische Reha beantragen.
Dieser Ratgeber beschreibt die freiwillige Aufnahme. Sie ist der übliche Weg, und die Klinik behandelt nur mit Ihrer Einwilligung. Eine Aufnahme gegen den eigenen Willen braucht die Entscheidung eines Gerichts und ist nur in engen Grenzen erlaubt.
Wer die Einweisung ausstellt
Eine Einweisung ins Krankenhaus darf jede Ärztin mit Kassenzulassung ausstellen. Auch Psychotherapeutinnen mit Kassenzulassung dürfen das. Für eine akute Aufnahme genügt der direkte Weg in die Notaufnahme, ganz ohne Einweisung.
Für eine geplante Aufnahme reicht die Einweisung allein oft nicht. Die Klinik will meist auch Berichte Ihrer Ärzte sehen und wissen, wie die Behandlung bisher lief. Häufig führt sie vorher ein Gespräch mit Ihnen.
Manche Kliniken nehmen Sie nur auf, wenn Sie schon in einer Psychotherapie sind. Die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen etwa verlangt das für die Anmeldung von gesetzlich Versicherten.
- die Einweisung Ihrer Ärztin oder Psychotherapeutin mit Diagnose
- einen aktuellen Arztbrief oder Befund
- Angaben zu Ihrer bisherigen Psychotherapie, wie lange und mit welchem Verfahren
- Ihre Versichertenkarte oder bei privater Versicherung die Zusage, dass sie zahlt
Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Kliniken und Stationen. Dort gelten die Einweisung und die freie Wahl genauso. Meist stellt sie die Kinderärztin oder die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche aus.
Privat Versicherte und Beamte klären vor der Aufnahme mit ihrer Versicherung oder Beihilfe, ob sie zahlt. Die Klinik nennt dafür die erwartete Diagnose und Dauer.
Ob Sie die Klinik frei wählen dürfen
Ja, Sie wählen frei unter den zugelassenen Krankenhäusern. Das gilt auch, wenn auf der Einweisung ein anderes Haus steht. Gehen Sie ohne guten Grund in ein anderes Haus, darf die Krankenkasse Ihnen aber Mehrkosten berechnen. Das kommt in der Praxis selten vor.
Zugelassen ist ein Krankenhaus, wenn es eine Uniklinik ist, im Krankenhausplan des Landes steht oder einen Vertrag mit den Krankenkassen hat. Nur unter diesen Häusern dürfen Sie wählen.
Hat Ihre Wunschklinik keinen Platz frei, nennt sie meist ein ähnliches Haus in der Nähe. Ihr Recht zu wählen bleibt dabei bestehen.
Wie lange Sie auf die Aufnahme warten
Die Wartezeit hängt davon ab, ob die Aufnahme akut oder geplant ist. Eine Klinik, die für die psychiatrische Versorgung einer Region zuständig ist, nimmt Notfälle aus dieser Region in der Regel sofort auf.
Für eine geplante Behandlung prüft die Klinik erst Ihre Unterlagen und setzt Sie dann auf die Warteliste. Die Wartezeit kann lang sein. Die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen nennt für ihre Gruppen zu Burn-out, Trauma und Depression rund 12 Monate. Andere Kliniken, oft Privatkliniken für Selbstzahler, werben mit kurzen Wartezeiten. Eine Einweisung brauchen Sie trotzdem.
Bis der Platz frei wird, läuft Ihre Behandlung in der Praxis weiter. Wird es schlimmer, sagen Sie der Klinik Bescheid. Bei Gefahr gilt immer der Notruf 112.
Die psychiatrische Akutklinik und die psychosomatische Klinik unterscheiden sich in drei Punkten.
| Merkmal | Psychiatrische Akutklinik | Psychosomatische Klinik |
|---|---|---|
| Wie Sie hinkommen | meist über die Notaufnahme, auch ohne Einweisung | geplante Anmeldung mit Einweisung und Unterlagen |
| Aufgabe | versorgt eine Region und nimmt Notfälle auf | meist ohne diese Pflicht, wählt Patienten freier aus |
| Übliche Wartezeit | sofort bis wenige Tage | Wochen bis Monate, je nach Klinik |
- Ihre Ärztin oder Psychotherapeutin stellt die Einweisung mit Diagnose aus.
- Sie schicken Einweisung, Arztbrief und Angaben zur bisherigen Behandlung an die Klinik Ihrer Wahl.
- Die Klinik prüft, ob eine ihrer Gruppen zu Ihnen passt, und setzt Sie auf die Warteliste.
- Wird ein Platz frei, nennt Ihnen die Klinik einen Termin. Wird es vorher schlimmer, rufen Sie dort an.
Woran Sie eine passende Klinik erkennen
Eine passende Klinik steht mit ihrer Abteilung im Krankenhausplan des Landes. Sie veröffentlicht einen Qualitätsbericht und sagt Ihnen auf Nachfrage, welche Fachärzte dort arbeiten.
Kliniken haben verschiedene Schwerpunkte. Manche arbeiten vor allem mit Verhaltenstherapie, andere mit tiefenpsychologischen Verfahren, wieder andere nur mit bestimmten Altersgruppen. Ihre Praxis kennt meist mehrere Häuser und sagt Ihnen, welches zu Ihnen passt.
Manche Kliniken bieten vorher ein Gespräch an, persönlich oder am Telefon. Dort fragen Sie nach dem Alltag auf der Station, der Größe der Gruppen und den Angeboten. So wählen Sie eine Klinik, die zu Ihnen passt, und nicht nur die mit dem nächsten freien Bett.
Was Sie für den Aufenthalt zuzahlen
Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen für jeden Tag in der Klinik 10 Euro zu, höchstens für 28 Tage im Jahr. Ab dem 1. Januar 2027 sind es 15 Euro je Tag. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts.
Für alle Zuzahlungen eines Jahres gibt es eine Obergrenze. Sie liegt bei 2 Prozent Ihres Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken bei 1 Prozent. Ist die Grenze erreicht, befreit Sie die Krankenkasse auf Antrag von weiteren Zuzahlungen.
Vor dem Ende des Aufenthalts plant die Klinik mit Ihnen, wie es weitergeht. Dazu gehört der Wechsel zurück in eine Praxis und oft eine Gruppe zur Nachsorge. Fragen Sie danach, wenn die Klinik es nicht von selbst anspricht.
Häufige Fragen
Brauche ich für eine psychosomatische Klinik eine Einweisung?
Ja, für eine geplante Aufnahme in eine psychosomatische Klinik brauchen Sie eine Einweisung. Sie nennt Diagnose und Empfehlung und ist die Voraussetzung dafür, dass die Krankenkasse zahlt. Ausstellen darf sie Ihre Ärztin oder Ihre Psychotherapeutin mit Kassenzulassung.
Darf ich die psychosomatische Klinik frei wählen?
Ja, Sie wählen frei unter den zugelassenen Krankenhäusern. Weichen Sie ohne guten Grund von der Klinik auf der Einweisung ab, darf die Krankenkasse Ihnen Mehrkosten berechnen. Das kommt in der Praxis selten vor.
Wie lange warte ich auf einen Platz in einer psychosomatischen Klinik?
Die Wartezeit auf eine psychosomatische Klinik hängt von der Klinik und Ihrer Erkrankung ab und reicht von Wochen bis zu rund einem Jahr. Die Klinik Kloster Dießen nennt für einige Gruppen rund 12 Monate. Für eine Aufnahme über die Notaufnahme gilt das nicht.
Was kostet der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik?
Gesetzlich Versicherte zahlen für die psychosomatische Klinik 10 Euro je Tag zu, höchstens für 28 Tage im Jahr. Ab dem 1. Januar 2027 sind es 15 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts.
Kann ich ohne Einweisung in die Notaufnahme gehen?
Ja, wenn es Ihnen akut schlechter geht, gehen Sie ohne Einweisung in die Notaufnahme einer Klinik mit Psychiatrie. Dort entscheidet das Team, ob Sie aufgenommen werden. Bei Gefahr für Ihr Leben wählen Sie den Notruf 112.
Was tue ich, wenn die Wunschklinik keinen Platz hat?
Die Klinik nennt Ihnen dann meist ein ähnliches Haus in der Nähe. Ihr Recht, die Klinik frei zu wählen, bleibt bestehen. Eine Absage wegen eines vollen Hauses schränkt es nicht ein.
