Was eine DiGA ist und wie Sie sie bekommen
DiGA steht für digitale Gesundheitsanwendung. Gemeint ist eine App oder ein Online-Programm, das als Medizinprodukt geprüft ist und im offiziellen Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte steht. Nur für diese Apps haben Sie als gesetzlich Versicherter einen Anspruch.
Es gibt zwei Wege zu einer DiGA. Entweder verschreibt sie Ihnen Ihre Ärztin oder Psychotherapeutin. Oder Sie beantragen sie direkt bei Ihrer Krankenkasse. Dann müssen Sie nachweisen, dass Sie die Erkrankung haben, für die die App gedacht ist, etwa mit einem Arztbrief. In beiden Fällen schickt Ihnen die Kasse einen Code, mit dem Sie die App freischalten.
Eine DiGA ist ein Medizinprodukt mit niedrigem oder mittlerem Risiko. Den Anspruch auf Apps auf Rezept gibt es seit einem Gesetz von 2019. Seit 2020 können Hersteller ihre Apps für das Verzeichnis anmelden, und seither kommen immer mehr Apps für seelische Erkrankungen dazu.
So erkennen Sie eine echte DiGA
- Sie steht mit eigener Nummer im offiziellen Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.
- Sie trägt ein CE-Zeichen als Medizinprodukt.
- Sie lässt sich nur mit einem Code Ihrer Krankenkasse ganz nutzen.
Welche Apps es bei welcher Erkrankung gibt
Die meisten Apps für seelische Erkrankungen arbeiten mit Übungen aus der Verhaltenstherapie. Sie richten sich an leichte bis mittelschwere Beschwerden. Zwei Beispiele stehen seit Jahren fest im Verzeichnis, ihr Nutzen ist also nachgewiesen: vorvida bei zu viel Alkohol und HelloBetter Schlafen bei Schlafstörungen.
| Erkrankung | Beispiele | Wie die App arbeitet |
|---|---|---|
| Depression | deprexis, Novego Depressionen bewältigen, Selfapys Online-Kurs bei Depression | Übungen aus der Verhaltenstherapie, Wissen über die Erkrankung |
| Angststörungen | velibra, Invirto, Selfapys Online-Kurs bei Generalisierter Angststörung | Übungen, sich der Angst schrittweise zu stellen, und Verhaltenstherapie |
| Schlafstörungen | HelloBetter Schlafen | Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit |
| zu viel Alkohol | vorvida | Verhaltenstherapie, um weniger zu trinken |
Die Apps sind sehr verschieden aufgebaut. Manche führen Woche für Woche durch Texte, Übungen und ein Tagebuch. Andere bieten zusätzlich einen Chat mit einer Psychotherapeutin. Welche App zu Ihrer Diagnose passt, besprechen Sie mit der Ärztin oder Psychotherapeutin, bei der Sie in der Sprechstunde waren.
Wie eine DiGA Ihnen in der Wartezeit hilft
Viele dieser Apps sind für leichte bis mittelschwere Beschwerden gedacht. Deshalb passen sie gut in die Zeit, in der Sie noch auf eine Sprechstunde oder auf Probestunden warten. Sie ersetzen die Untersuchung in der Sprechstunde nicht, können aber schon vorher etwas in Gang bringen.
Ob eine App für Sie in der Wartezeit sinnvoll ist, hängt davon ab, wie schwer es Ihnen geht. In einer akuten Krise oder bei schweren Beschwerden ersetzt keine App den direkten Kontakt zu einer Praxis oder Klinik. Wie Sie trotz Wartezeit an einen Platz kommen, steht im Ratgeber Psychotherapieplatz finden.
Wie streng der Nutzen einer DiGA geprüft wird
Der Hersteller muss dem Bundesinstitut zeigen, dass seine App sicher ist, funktioniert, gut gemacht ist und Ihre Daten schützt. Außerdem muss er einen Nutzen für die Versorgung belegen. Das kann ein medizinischer Nutzen sein oder eine Verbesserung, die Patienten spürbar hilft.
Kann der Hersteller diesen Nutzen noch nicht ganz belegen, nimmt das Bundesinstitut die App bis zu 12 Monate zur Erprobung auf. Diese Zeit lässt sich um bis zu 12 Monate verlängern. Gelingt der Nachweis dann nicht, fliegt die App aus dem Verzeichnis. Einen neuen Antrag darf der Hersteller frühestens nach 12 Monaten stellen.
Wie stark eine einzelne App wirkt, sagt diese Prüfung nicht. Das Bundesinstitut prüft, ob überhaupt ein Nutzen belegt ist, nicht wie groß er im Vergleich zu einer Psychotherapie ist. Für einen Vergleich lohnt ein Blick in die Studien, die im Verzeichnis zu jeder App stehen.
So bekommen Sie eine DiGA in fünf Schritten
Beide Wege, das Rezept und der Antrag bei der Kasse, führen zum selben Ziel.
- Suchen Sie im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts nach einer App für Ihre Beschwerden, oder lassen Sie sich eine von Ihrer Ärztin oder Psychotherapeutin empfehlen.
- Lassen Sie sich die App verschreiben, oder beantragen Sie sie mit einem Nachweis Ihrer Diagnose bei Ihrer Krankenkasse.
- Warten Sie auf den Code Ihrer Krankenkasse. Er kommt meist per Post oder über die App der Kasse.
- Laden Sie die App herunter und schalten Sie sie mit dem Code frei.
- Nutzen Sie die App so lange, wie auf dem Rezept oder in der Zusage steht, und sprechen Sie in der nächsten Sitzung über Ihre Erfahrungen.
Hat Ihre Ärztin oder Psychotherapeutin Ihnen schon eine passende App genannt?
Lassen Sie sich das Rezept geben und lösen Sie den Code bei Ihrer Krankenkasse ein.
Kennen Sie selbst eine passende App aus dem Verzeichnis und haben Sie einen Nachweis Ihrer Diagnose?
Beantragen Sie die App direkt bei Ihrer Krankenkasse und legen Sie den Nachweis bei.
Sprechen Sie das Thema in Ihrer nächsten Sprechstunde an.
Was eine DiGA nicht ersetzt
Eine DiGA ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Diagnose. Sie unterstützt die Behandlung mit Übungen und Wissen, ersetzt aber nicht das Gespräch mit einer Fachperson, wenn es Ihnen schlechter geht.
Auch technisch hat eine DiGA Grenzen. Sie brauchen ein aktuelles Handy oder Tablet und Internet, und nicht jede App gibt es in jeder Sprache. Prüfen Sie das in der Beschreibung im Verzeichnis, bevor Sie sich entscheiden.
Eine App auf Rezept ist auch etwas anderes als eine Therapiestunde per Video. Was eine Psychotherapeutin per Video darf und was nicht, erklärt der Ratgeber Was macht ein Psychotherapeut.
Wer eine DiGA bezahlt
Als gesetzlich Versicherter zahlen Sie für eine DiGA aus dem Verzeichnis nichts. Eine Zuzahlung wie bei Medikamenten gibt es dafür nicht.
Für privat Versicherte und Beamte gibt es keine einheitliche Regel. Ob die private Versicherung oder die Beihilfe zahlt, steht in Ihrem Tarif oder in den Regeln Ihrer Beihilfe. Fragen Sie vorher nach.
Ist die Zeit auf dem Rezept abgelaufen und brauchen Sie die App weiter, bekommen Sie ein neues Rezept, oder Sie beantragen die Verlängerung erneut bei der Kasse. Von selbst verlängert sich nichts.
Häufige Fragen
Wer darf mir eine DiGA für seelische Beschwerden verschreiben?
Eine DiGA verschreibt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihre Psychotherapeutin mit Kassenzulassung. Sie können die App auch direkt bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Dann müssen Sie nachweisen, dass Sie die Erkrankung haben, für die die App gedacht ist.
Kostet mich eine DiGA etwas?
Nein, eine DiGA aus dem offiziellen Verzeichnis kostet gesetzlich Versicherte nichts. Die Krankenkasse bezahlt sie ganz, eine Zuzahlung gibt es nicht.
Woran erkenne ich eine DiGA aus dem offiziellen Verzeichnis?
Eine DiGA aus dem offiziellen Verzeichnis hat eine eigene Nummer beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Nur für diese Apps zahlt die Krankenkasse. Eine Gesundheits-App aus einem gewöhnlichen App-Store reicht nicht.
Wie lange bleibt eine DiGA im Verzeichnis, wenn ihr Nutzen noch nicht belegt ist?
Eine DiGA ohne fertigen Nutzennachweis bleibt bis zu 12 Monate zur Erprobung im Verzeichnis, verlängerbar um bis zu 12 Monate. Gelingt der Nachweis nicht, streicht das Bundesinstitut die App.
Ersetzt eine DiGA eine Psychotherapie?
Nein, eine DiGA ersetzt keine Psychotherapie. Sie kann die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken oder eine laufende Therapie begleiten. Das Gespräch mit einer Fachperson ersetzt sie nicht.
Was passiert mit meinen Daten in einer DiGA?
Der Hersteller einer DiGA muss Datenschutz und Datensicherheit nachweisen, bevor die App ins Verzeichnis kommt. Nutzen Sie nur die Version aus dem Verzeichnis, denn nur für sie gilt diese Prüfung.
