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Traumatherapie mit EMDR, was die Kasse bezahlt

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Die Krankenkasse bezahlt EMDR bei Erwachsenen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, seit 2015. Die Praxis braucht dafür eine eigene Zusatzausbildung, und EMDR läuft immer innerhalb eines der vier Verfahren der Kasse. In einer akuten Krise hilft EMDR nicht sofort. Dann rufen Sie den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Kassenleistung bei Erwachsenen seit
3. Januar 2015
Gemeinsamer Bundesausschuss, Beschluss zur Psychotherapie-Richtlinie, Stand 3. Januar 2015
Zusatzausbildung der Praxis mindestens
40 Stunden Theorie und 40 Behandlungsstunden
Psychotherapie-Vereinbarung, Anlage 1 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte, § 6, Stand 1. Januar 2025
Auch in systemischer Therapie seit
März 2024
Gemeinsamer Bundesausschuss, Fachnews: EMDR auch bei Systemischer Therapie Kassenleistung, Stand 22. September 2026
Ein ruhiger Garten mit einer Holzbank unter einem Baum im weichen Morgenlicht.
EMDR ist Teil einer Kassentherapie bei Beschwerden nach einem schweren Erlebnis. Bild: KI generiert.

Was EMDR ist und wie es in der Psychotherapie wirkt

EMDR ist eine englische Abkürzung. Übersetzt heißt sie etwa Verarbeitung von Erinnerungen durch Augenbewegungen. Während Sie sich an ein belastendes Erlebnis erinnern, folgen Sie gleichzeitig mit den Augen der Hand der Therapeutin hin und her. Manchmal werden stattdessen abwechselnd beide Hände angetippt oder Töne abwechselnd links und rechts gespielt. Diese doppelte Aufmerksamkeit soll helfen, eine schwere Erinnerung neu zu verarbeiten, damit sie im Alltag ihre überwältigende Kraft verliert.

EMDR ist kein eigenes Verfahren wie die Verhaltenstherapie. Die Kasse erlaubt EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung nur innerhalb einer Verhaltenstherapie, einer tiefenpsychologischen, einer analytischen oder einer systemischen Therapie. Sie beantragen also eines dieser vier Verfahren, und darin setzt die Therapeutin EMDR gezielt ein.

Deshalb braucht eine Praxis zuerst die Zulassung für eines der vier Verfahren und erst dann die Zusatzausbildung für EMDR. Wer nur Kurse in EMDR besucht hat, ohne Zulassung für ein Verfahren, darf EMDR nicht über die Kasse abrechnen.

So läuft eine Behandlung mit EMDR ab

EMDR folgt einem festen Ablauf in acht Schritten, der weltweit genutzt wird. Nicht jeder Schritt braucht eine eigene Stunde. Bei einem einzelnen Erlebnis reichen manchmal wenige Termine, bei mehreren belastenden Erlebnissen dauert es länger.

Die acht Schritte einer EMDR-Behandlung
  1. Kennenlernen und planen

    Die Therapeutin klärt Ihre Geschichte, Ihre Ziele und Ihre Stärken und legt fest, welche Erinnerungen in welcher Reihenfolge drankommen.

  2. Stabil werden

    Sie lernen einfache Wege, sich selbst zu beruhigen, etwa die Vorstellung eines sicheren Ortes, und vereinbaren ein Zeichen zum Anhalten.

  3. Die Erinnerung auswählen

    Sie wählen eine Erinnerung und benennen Bilder, Gedanken, Gefühle und was Sie dabei im Körper spüren.

  4. Verarbeiten

    Während Sie an die Erinnerung denken, führt Sie die Therapeutin durch die Augenbewegungen, bis die Belastung spürbar nachlässt.

  5. Einen guten Gedanken verankern

    Ein stimmiger, guter Gedanke über Sie selbst wird mit der verarbeiteten Erinnerung verbunden.

  6. Den Körper prüfen

    Sie prüfen, ob im Körper noch Anspannung mit der Erinnerung verbunden ist, und bearbeiten sie wenn nötig weiter.

  7. Abschließen

    Die Stunde endet beruhigend. Sie gehen ruhiger nach Hause, auch wenn die Verarbeitung noch nicht fertig ist.

  8. Nachfragen

    In der nächsten Stunde prüfen Sie gemeinsam, wie es Ihnen ergangen ist und ob die Veränderung hält.

Über das Tempo entscheidet die Therapeutin zusammen mit Ihnen. Belastet eine Erinnerung Sie stärker als erwartet, verlangsamt sie den Schritt oder unterbricht ihn. Der feste Ablauf ist ein Rahmen, kein Zwang, der über Ihr Tempo hinweggeht.

Wer EMDR über die Krankenkasse anbieten darf

Nicht jede Praxis mit Kassenzulassung darf EMDR abrechnen. Sie braucht eine eigene Zusatzausbildung, die deutlich über die Approbation hinausgeht.

  • Eine Zulassung für mindestens eines der vier Verfahren der Kasse bei Erwachsenen.
  • Mindestens 40 Stunden Theorie über Traumabehandlung und EMDR.
  • Mindestens 40 Behandlungsstunden mit Trauma-Patienten, in denen EMDR in mindestens 5 abgeschlossenen Behandlungen eingesetzt wurde.
  • Mindestens 10 Stunden Besprechung dieser Behandlungen mit erfahrenen Fachleuten.

Die Zusatzausbildung gilt zunächst für das Verfahren, für das die Praxis zugelassen ist. Für ein weiteres Verfahren lässt sie sich auf Antrag erweitern. Sie dürfen Ihre Therapeutin direkt fragen, ob sie diese Ausbildung hat. Den Nachweis hat die Praxis bei der Kassenärztlichen Vereinigung eingereicht.

Seit wann und für wen die Kasse EMDR bezahlt

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung am 16. Oktober 2014 als Behandlung anerkannt. Gültig ist das seit dem 3. Januar 2015. Seitdem zahlt die Kasse EMDR innerhalb der Verfahren, wenn die Praxis die Zusatzausbildung hat.

Für Kinder und Jugendliche gilt das bisher nicht, der Beschluss nennt ausdrücklich nur Erwachsene. Seit März 2024 darf EMDR auch in der systemischen Therapie eingesetzt werden. In Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischer und analytischer Therapie war es schon seit dem 3. Januar 2015 erlaubt.

In welchen Verfahren EMDR eingesetzt werden darf, und seit wann.
VerfahrenEMDR erlaubt seitWas dazu gilt
Verhaltenstherapie3. Januar 2015seit dem ersten Beschluss
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie3. Januar 2015seit dem ersten Beschluss
Analytische Psychotherapie3. Januar 2015seit dem ersten Beschluss
Systemische TherapieMärz 2024später ergänzt, weil das Verfahren selbst erst seit 2020 bezahlt wird

Läuft Ihre Therapie schon in einem der vier Verfahren, wissen Sie damit, ob EMDR darin erlaubt ist. Ob Ihre Praxis die Zusatzausbildung hat, ist eine zweite Frage. Einen Überblick über die Verfahren gibt der Ratgeber zu den vier Psychotherapieverfahren der Krankenkasse.

Was die Leitlinie zur Wirkung von EMDR sagt

Die aktuelle Leitlinie zur posttraumatischen Belastungsstörung vom Februar 2026 empfiehlt Erwachsenen eine Psychotherapie, die sich gezielt mit dem belastenden Erlebnis beschäftigt, in Einzelsitzungen. Dazu gehört EMDR. Es zählt zu den Methoden, deren Wirkung gut belegt ist, neben anderen Formen der kognitiven Therapie und Methoden, bei denen Sie sich der Erinnerung gezielt stellen.

Die Leitlinie stuft die Belege für die Wirkung auf die Belastungsstörung selbst als mittelgut ein, mit 92,9 Prozent Zustimmung der beteiligten Fachgesellschaften. Für Beschwerden, die oft dazukommen, etwa Niedergeschlagenheit oder Angst, sind die Belege schwächer. Für Sie heißt das: Eine Methode, die gegen die Belastungsstörung hilft, hilft nicht automatisch genauso gegen jede Begleitbeschwerde.

Wann EMDR nicht der erste Schritt ist

EMDR setzt voraus, dass Sie seelisch einigermaßen stabil sind. Denn beim Verarbeiten erinnern Sie sich noch einmal an das belastende Erlebnis. In einer akuten Krise geht deshalb zuerst Ihre Sicherheit vor, nicht die Verarbeitung.

  1. In einer akuten Krise wählen Sie zuerst den Notruf 112 oder rufen die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 an.
  2. Nach einer Gewalttat hilft eine Traumaambulanz schnell, ohne den üblichen Antrag.
  3. Sind Sie stabiler, klärt die Sprechstunde, ob und in welchem Verfahren EMDR sinnvoll ist.
  4. Der Antrag auf die Therapie läuft danach wie bei jedem Verfahren über Probestunden und den Antrag an die Kasse.

EMDR ist damit ein Baustein in einer geplanten Behandlung. Wie die schnelle Hilfe nach einer Gewalttat funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Traumaambulanz nach einer Gewalttat.

Häufige Fragen

Was ist EMDR, und wofür wird es eingesetzt?

EMDR ist eine Methode der Traumatherapie. Sie erinnern sich an ein belastendes Erlebnis und folgen dabei mit den Augen der Hand der Therapeutin hin und her. EMDR wird bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung eingesetzt, um schwere Erinnerungen neu zu verarbeiten.

Zahlt die Krankenkasse EMDR bei einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Ja, die Krankenkasse zahlt EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung seit dem 3. Januar 2015. EMDR läuft innerhalb einer Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischen, analytischen oder systemischen Therapie, und die Praxis braucht eine Zusatzausbildung.

Darf jede Psychotherapeutin EMDR über die Krankenkasse anbieten?

Nein, für EMDR über die Krankenkasse braucht eine Psychotherapeutin eine Zusatzausbildung. Dazu gehören mindestens 40 Stunden Theorie, 40 Behandlungsstunden mit EMDR in mindestens 5 abgeschlossenen Behandlungen und 10 Stunden Begleitung durch erfahrene Fachleute.

Bekommen Kinder EMDR von der Krankenkasse bezahlt?

Nein, bisher nicht in derselben Weise. Der Beschluss zu EMDR als Leistung der Krankenkasse nennt ausdrücklich nur Erwachsene mit posttraumatischer Belastungsstörung.

Ist EMDR ein eigenes Psychotherapieverfahren?

Nein, EMDR ist kein eigenes Verfahren, sondern eine Methode. Die Kasse erlaubt sie nur innerhalb einer Verhaltenstherapie, einer tiefenpsychologischen, einer analytischen oder einer systemischen Therapie.

Was tue ich in einer akuten Krise, wenn ich noch keine EMDR-Behandlung habe?

In einer akuten seelischen Krise wählen Sie den Notruf 112 oder rufen die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 an. Nach einer Gewalttat hilft eine Traumaambulanz schnell und ohne Antrag. EMDR gehört zu einer geplanten Therapie danach.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Psychotherapie-Richtlinie, Fassung vom 19. März 2026 (in Kraft seit 17. Juni 2026), Anlage Ziffer I.3 (EMDR), Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA),
  2. Posttraumatische Belastungsstörungen: EMDR als Methode in der Psychotherapie anerkannt, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA),
  3. Psychotherapie-Richtlinie: EMDR bei Erwachsenen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen und Umstrukturierung der Anlage 1, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA),
  4. Posttraumatische Belastungsstörungen bei Erwachsenen: EMDR künftig auch bei Systemischer Therapie Kassenleistung, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA),
  5. Psychotherapie-Vereinbarung, Anlage 1 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte, Stand 1. Januar 2025, § 6 Fachliche Befähigung für Psychotherapiemethoden, Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband,
  6. S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Langversion, Fassung vom 27.02.2026, Registernummer 155/001, Version 7.0, Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT), AWMF-Leitlinienregister,
  7. Übersicht: Die 8 Phasen der EMDR-Behandlung, Institut Christoph Mahr,

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Stand dieser Angaben: 3. Oktober 2026.