Was EMDR ist und wie es in der Psychotherapie wirkt
EMDR ist eine englische Abkürzung. Übersetzt heißt sie etwa Verarbeitung von Erinnerungen durch Augenbewegungen. Während Sie sich an ein belastendes Erlebnis erinnern, folgen Sie gleichzeitig mit den Augen der Hand der Therapeutin hin und her. Manchmal werden stattdessen abwechselnd beide Hände angetippt oder Töne abwechselnd links und rechts gespielt. Diese doppelte Aufmerksamkeit soll helfen, eine schwere Erinnerung neu zu verarbeiten, damit sie im Alltag ihre überwältigende Kraft verliert.
EMDR ist kein eigenes Verfahren wie die Verhaltenstherapie. Die Kasse erlaubt EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung nur innerhalb einer Verhaltenstherapie, einer tiefenpsychologischen, einer analytischen oder einer systemischen Therapie. Sie beantragen also eines dieser vier Verfahren, und darin setzt die Therapeutin EMDR gezielt ein.
Deshalb braucht eine Praxis zuerst die Zulassung für eines der vier Verfahren und erst dann die Zusatzausbildung für EMDR. Wer nur Kurse in EMDR besucht hat, ohne Zulassung für ein Verfahren, darf EMDR nicht über die Kasse abrechnen.
So läuft eine Behandlung mit EMDR ab
EMDR folgt einem festen Ablauf in acht Schritten, der weltweit genutzt wird. Nicht jeder Schritt braucht eine eigene Stunde. Bei einem einzelnen Erlebnis reichen manchmal wenige Termine, bei mehreren belastenden Erlebnissen dauert es länger.
Kennenlernen und planen
Die Therapeutin klärt Ihre Geschichte, Ihre Ziele und Ihre Stärken und legt fest, welche Erinnerungen in welcher Reihenfolge drankommen.
Stabil werden
Sie lernen einfache Wege, sich selbst zu beruhigen, etwa die Vorstellung eines sicheren Ortes, und vereinbaren ein Zeichen zum Anhalten.
Die Erinnerung auswählen
Sie wählen eine Erinnerung und benennen Bilder, Gedanken, Gefühle und was Sie dabei im Körper spüren.
Verarbeiten
Während Sie an die Erinnerung denken, führt Sie die Therapeutin durch die Augenbewegungen, bis die Belastung spürbar nachlässt.
Einen guten Gedanken verankern
Ein stimmiger, guter Gedanke über Sie selbst wird mit der verarbeiteten Erinnerung verbunden.
Den Körper prüfen
Sie prüfen, ob im Körper noch Anspannung mit der Erinnerung verbunden ist, und bearbeiten sie wenn nötig weiter.
Abschließen
Die Stunde endet beruhigend. Sie gehen ruhiger nach Hause, auch wenn die Verarbeitung noch nicht fertig ist.
Nachfragen
In der nächsten Stunde prüfen Sie gemeinsam, wie es Ihnen ergangen ist und ob die Veränderung hält.
Über das Tempo entscheidet die Therapeutin zusammen mit Ihnen. Belastet eine Erinnerung Sie stärker als erwartet, verlangsamt sie den Schritt oder unterbricht ihn. Der feste Ablauf ist ein Rahmen, kein Zwang, der über Ihr Tempo hinweggeht.
Wer EMDR über die Krankenkasse anbieten darf
Nicht jede Praxis mit Kassenzulassung darf EMDR abrechnen. Sie braucht eine eigene Zusatzausbildung, die deutlich über die Approbation hinausgeht.
- Eine Zulassung für mindestens eines der vier Verfahren der Kasse bei Erwachsenen.
- Mindestens 40 Stunden Theorie über Traumabehandlung und EMDR.
- Mindestens 40 Behandlungsstunden mit Trauma-Patienten, in denen EMDR in mindestens 5 abgeschlossenen Behandlungen eingesetzt wurde.
- Mindestens 10 Stunden Besprechung dieser Behandlungen mit erfahrenen Fachleuten.
Die Zusatzausbildung gilt zunächst für das Verfahren, für das die Praxis zugelassen ist. Für ein weiteres Verfahren lässt sie sich auf Antrag erweitern. Sie dürfen Ihre Therapeutin direkt fragen, ob sie diese Ausbildung hat. Den Nachweis hat die Praxis bei der Kassenärztlichen Vereinigung eingereicht.
Seit wann und für wen die Kasse EMDR bezahlt
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung am 16. Oktober 2014 als Behandlung anerkannt. Gültig ist das seit dem 3. Januar 2015. Seitdem zahlt die Kasse EMDR innerhalb der Verfahren, wenn die Praxis die Zusatzausbildung hat.
Für Kinder und Jugendliche gilt das bisher nicht, der Beschluss nennt ausdrücklich nur Erwachsene. Seit März 2024 darf EMDR auch in der systemischen Therapie eingesetzt werden. In Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischer und analytischer Therapie war es schon seit dem 3. Januar 2015 erlaubt.
| Verfahren | EMDR erlaubt seit | Was dazu gilt |
|---|---|---|
| Verhaltenstherapie | 3. Januar 2015 | seit dem ersten Beschluss |
| Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie | 3. Januar 2015 | seit dem ersten Beschluss |
| Analytische Psychotherapie | 3. Januar 2015 | seit dem ersten Beschluss |
| Systemische Therapie | März 2024 | später ergänzt, weil das Verfahren selbst erst seit 2020 bezahlt wird |
Läuft Ihre Therapie schon in einem der vier Verfahren, wissen Sie damit, ob EMDR darin erlaubt ist. Ob Ihre Praxis die Zusatzausbildung hat, ist eine zweite Frage. Einen Überblick über die Verfahren gibt der Ratgeber zu den vier Psychotherapieverfahren der Krankenkasse.
Was die Leitlinie zur Wirkung von EMDR sagt
Die aktuelle Leitlinie zur posttraumatischen Belastungsstörung vom Februar 2026 empfiehlt Erwachsenen eine Psychotherapie, die sich gezielt mit dem belastenden Erlebnis beschäftigt, in Einzelsitzungen. Dazu gehört EMDR. Es zählt zu den Methoden, deren Wirkung gut belegt ist, neben anderen Formen der kognitiven Therapie und Methoden, bei denen Sie sich der Erinnerung gezielt stellen.
Die Leitlinie stuft die Belege für die Wirkung auf die Belastungsstörung selbst als mittelgut ein, mit 92,9 Prozent Zustimmung der beteiligten Fachgesellschaften. Für Beschwerden, die oft dazukommen, etwa Niedergeschlagenheit oder Angst, sind die Belege schwächer. Für Sie heißt das: Eine Methode, die gegen die Belastungsstörung hilft, hilft nicht automatisch genauso gegen jede Begleitbeschwerde.
Wann EMDR nicht der erste Schritt ist
EMDR setzt voraus, dass Sie seelisch einigermaßen stabil sind. Denn beim Verarbeiten erinnern Sie sich noch einmal an das belastende Erlebnis. In einer akuten Krise geht deshalb zuerst Ihre Sicherheit vor, nicht die Verarbeitung.
- In einer akuten Krise wählen Sie zuerst den Notruf 112 oder rufen die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 an.
- Nach einer Gewalttat hilft eine Traumaambulanz schnell, ohne den üblichen Antrag.
- Sind Sie stabiler, klärt die Sprechstunde, ob und in welchem Verfahren EMDR sinnvoll ist.
- Der Antrag auf die Therapie läuft danach wie bei jedem Verfahren über Probestunden und den Antrag an die Kasse.
EMDR ist damit ein Baustein in einer geplanten Behandlung. Wie die schnelle Hilfe nach einer Gewalttat funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Traumaambulanz nach einer Gewalttat.
Häufige Fragen
Was ist EMDR, und wofür wird es eingesetzt?
EMDR ist eine Methode der Traumatherapie. Sie erinnern sich an ein belastendes Erlebnis und folgen dabei mit den Augen der Hand der Therapeutin hin und her. EMDR wird bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung eingesetzt, um schwere Erinnerungen neu zu verarbeiten.
Zahlt die Krankenkasse EMDR bei einer posttraumatischen Belastungsstörung?
Ja, die Krankenkasse zahlt EMDR bei Erwachsenen mit posttraumatischer Belastungsstörung seit dem 3. Januar 2015. EMDR läuft innerhalb einer Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischen, analytischen oder systemischen Therapie, und die Praxis braucht eine Zusatzausbildung.
Darf jede Psychotherapeutin EMDR über die Krankenkasse anbieten?
Nein, für EMDR über die Krankenkasse braucht eine Psychotherapeutin eine Zusatzausbildung. Dazu gehören mindestens 40 Stunden Theorie, 40 Behandlungsstunden mit EMDR in mindestens 5 abgeschlossenen Behandlungen und 10 Stunden Begleitung durch erfahrene Fachleute.
Bekommen Kinder EMDR von der Krankenkasse bezahlt?
Nein, bisher nicht in derselben Weise. Der Beschluss zu EMDR als Leistung der Krankenkasse nennt ausdrücklich nur Erwachsene mit posttraumatischer Belastungsstörung.
Ist EMDR ein eigenes Psychotherapieverfahren?
Nein, EMDR ist kein eigenes Verfahren, sondern eine Methode. Die Kasse erlaubt sie nur innerhalb einer Verhaltenstherapie, einer tiefenpsychologischen, einer analytischen oder einer systemischen Therapie.
Was tue ich in einer akuten Krise, wenn ich noch keine EMDR-Behandlung habe?
In einer akuten seelischen Krise wählen Sie den Notruf 112 oder rufen die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 an. Nach einer Gewalttat hilft eine Traumaambulanz schnell und ohne Antrag. EMDR gehört zu einer geplanten Therapie danach.
